Tach auch

Wie versprochen geht's in diesem Post um das Thema Weiche. Beginnen wir mit Variante 1:
Wie man im Weichenschaltbild sehen kann, habe ich es als Erstes mit einen 12dB Tiefpass, kombiniert mit einem 6dB Hochpass probiert. Damit habe ich mir auch die ersten Töne gegeben. Die Euphorie der ersten Momente wich schnell der Nüchternheit, dass das noch nicht das Gelbe vom Ei ist. Die Chassis haben nicht zusammen gespielt sondern jedes für sich. Und sie war auch eindeutig zu sehr auf-die-Fresse.
Wenn man sich mal die Phase ansieht erkennt man, dass die Phasen zwar schön parallel laufen, jedoch einen Versatz von etwa 90° im Bereich der Trennung haben. Es gibt Chassis, mit denen funktioniert das. Mit meinen nicht .
Das Sonogramm sieht auch nicht soooo prickelnd aus. Ein heftiger Sprung beim Übergang der Chassis - das muss doch besser gehen.
Variante 2:
Um die Phasen zusammen zu bringen, bin ich im Hochtonbereich von 6 auf 12dB gegangen. Im Bassbereich habe ich die R-C Kombi, die parallel zur Bassspule lag, weggenommen und habe es parallel zum Bass gesetzt (klassische Impedanzlinearisierung). Dann habe ich mit den Bauteilwerten gespielt und die Flanken, das Abstrahlverhalten und das Energieverhalten optimiert. Sieht schon gut aus. Die Hörprobe hat aber leider ergeben, dass die schönen Bilder doch kein Garant für guten Klang sind. Das Tröööt war zwar tonal richtig, klang aber nach - richtig - Horn. Tröööt eben.
Also nochmal die Phase begutachtet. Bis zur Trennfrequenz ist das völlig ok. Aber direkt danach haut die Phase vom Bass dermaßen ab, dass es keine Addition, ja sogar Auslöschungen gab.
Watt nu? Erstmal aus und was anderes machen. Später habe ich mir die erste Variante nochmal angesehen. Die Phasen haben zwar Versatz, laufen aber schön zusammen. Man könnte vermuten, dass die Chassis unterschiedliche elektrische Steilheiten brauchen......
Variante 3:
So ist es. Aber nicht 12-6dB sonder 18-12dB. Schon läuft die Phase wie im Bilderbuch. Die Chassis addieren sich perfekt und spielen endlich zusammen als Einheit. Auf der Basis habe ich dann ein paar tage Bauteil-wechsle-Dich gespielt. Angekommen bin ich schlussendlich bei
Variante 4:
Das Abstrahlverhalten vom Bass zum Hochtöner geht ohne große Zappelei vonstatten. Zugunsten der Vollgastauglichkeit, die ich absolut haben wollte, habe ich eine "Badewannenabstimmung" realisiert. Das ist meinen Hörgewohnheiten und meinem Musikgeschmack geschuldet. Ich mag Stromgitarre. Kosmodrom, My Sleeping Karma, Tool oder auch die alten Rocker. Sowas muss mit richtig Gegenwind gehen, ohne dass einem die Ohren abfallen.
Wenn ich die Kiste klanglich beschreiben soll, würde ich sie ganz klar als Rocker einstufen. Die Feingeistigkeit meiner Menhir-L oder meiner sLAB-12 geht ihr ab. Aber sie rockt und macht Laune, auch wenn's mal nicht Vollgas ist.
Das ist sie dann - die "Tröööt". So kann ich sie auf die Menschheit loslassen. Ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig meine Vorgehensweise bei der Entstehung dieses Lautsprechers näher bringen.
Gruß Olli