Bevor ich jetzt meine Zentrierspinne massiere, habe ich noch eine Idee vor dem Schlafengehen. Ich habe die Tendenz mich an einer Idee fixe festzubeissen. Im Moment dreht sich diese um Mitteltonkalotten. Weiss Gott warum. Was wäre wenn: Ich nehme die zwei Monacor 2" Treiber, die haben eine 10cm grosse Membran, und verwende sie ohne Druckkammer. Bastle noch einen etwas strömungsgünstigeren Rand (Waveguide) et basta! What spricht dagegen?
Thomas https://www.ebay.de/itm/331296286847
auf der Suche nach einem neuen Verstärker habe ich mal beim großen A zugeschlagen und für knapp 70€ einen Verstärker von eSynic erworben. Anderswo (Aliexpress) ist das Gerät anscheinend auch als Trasam M300 oder Fosi Audio DA2120B bekannt.
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Ausschlaggebend für mich waren die vielen Möglichkeiten, Audioquellen einzubinden. Der Verstärker bietet Bluetooth 5.0 (leider nur SBC, kein AptX, dafür mit externer Antenne), Aux-Klinke, S/PDIF über Toslink und Cinch, USB Audio am PC und die Möglichkeit, von USB-Speichern abzuspielen.
Für knapp 70€ lieferte DHL Express (die das leider bei Abwesenheit direkt zur nächsten Postfiliale bringen) eine ordentlich mit Schaumstoff ausgefüllte Kiste, mit folgendem Inhalt:
Verstärker
Fernbedienung mit Batterien
USB-Kabel
Toslink-"Kabel"
Aux-Kabel (Klinke auf 2x Cinch)
Netzteil (helle blaue LED, 24V/3A)
Bedienungsanleitung (1 DIN A4 Seite, Englisch)
Der Verstärker selbst ist wirklich winzig, und hervorragend verarbeitet. Das gesamte Gehäuse ist aus Alu, und die Frontplatte ist ordentlich dick. Es gibt keine Power LED, die Betriebsbereitschaft wird nur über das Display angezeigt, was ich sehr angenehm finde.
Die Bedienung ist denkbar einfach: Es gibt einen Lautstärkeregler, und durch einen Druck auf diesen kann man zwischen den Quellen umschalten. Ein langer Druck im Bluetooth-Modus aktiviert den Koppel-Modus. Mit der haptisch soliden Fernbedienung kann man noch die üblichen Funktionen steuern (Standby, Quellenwahl, Lautstärke, Bass/Treble-Regelung jeweils von -4 bis +4) und durch den USB-Speicher navigieren (nicht getestet). Hierbei sei angemerkt, dass die Lautstärkeregelung über die Fernbedienung und über das Poti zwei getrennte Lautstärkesteller sind. Wenn das Poti auf "Null" steht, kommt also auch bei voller Lautstärke über die Fernbedienung nichts raus, und andersrum.
Natürlich habe ich, neugierig wie ich bin, das Gerät erst mal aufgeschraubt und reingeschaut.
Für die Verstärkung sind pro Kanal je einer der allseits bekannten und beliebten TPA3116 verantwortlich. Als Filterkondensatoren kommen 4x 470µF von Nichicon zum Einsatz (lustigerweise aus drei verschiedenen Serien) und auch die Ausgangsspulen wirken solide. Die beworbenen 2x 100W scheinen mir durchaus realistisch zu sein, auch wenn das mitgelieferte Netzteil zumindest für andauernde hohe Leistung zu schwach sein dürfte. Für Zimmerlautstärke reicht das Netzteil aber sicher vollkommen aus, und bei Bedarf kann man das Netzteil ja auch austauschen. Mein Netzteil mit 19 Volt (die der TPA angeblich besonders gerne mag) und 150 Watt kommt morgen an.
Bei der weiteren Betrachtung des Boards lässt sich folgendes vermuten:
Auf beiden Seiten sind Signale geroutet, es ist also entweder ein absolut grottig designtes Board mit zwei Layern, oder ein gut designtes Board mit vier Layern und mindestens einer durchgehenden Masse-Ebene, was gut für EMI und Störempfindlichkeit ist. Ich vermute, dass das ganze ein gut gemachtes PCB ist.
Beim Spannungsanschluss finden sich zwei PMOS-Transistoren (STM4635), die in diesem Bereich normalerweise für Verpolungschutz oder andere Schutzfunktionen eingesetzt werden. Auch das weist meiner Meinung nach auf ein ordentliches Design hin. Auch andere Details (Elko statt KerKo am AMS1117 Spannungswandler) lassen vermuten, dass der Entwickler wusste, was er da tut.
Ein Modul mit einem ATS2825 kümmert sich um Bluetooth und die USB-Funktionen (Soundkarte und Wiedergabe vom USB-Speicher), und ein ESS9018K2M kümmert sich um die S/PDIF-Eingänge (Coax-Input aber anscheinend ohne Pulse Transformer). Ein PT2313L scheint für die Lautstärkeregelung verantwortlich zu sein. Vor den Eingängen der TPA3116 hängen noch zwei JRC5532 OpAmps.
Als nächstes habe ich das Ding zuversichtlich wieder zugeschraubt, und meine Mini Monitor Basic von HobbyHifi/Visaton angeschlossen. Hier zeigte sich auch das in meinen Augen einzige Manko: Die Lautsprecherbuchsen machen zwar einen hochwertigen Eindruck, sind aber wirklich klein. Auf den Bildern sieht man ja die Cinch-Buchse daneben. Das Einfädeln der Kabel (1,5mm²) gestaltete sich etwas schwierig, auch wenn man das ganze sicher noch etwas verbessern kann, indem man einmal von innen die Muttern löst und zumindest die Löcher in den Anschlüssen besser ausrichtet.
Zum Klang kann und möchte ich nicht viel sagen. Wer poetische Beschreibungen hören will, der kann sich auf diversen anderen Seiten Berichte über den TPA3116 durchlesen. Sie klingen aber sehr gut, und ein Bassfundament war ausreichend vorhanden, genug Saft scheinen die Amps also auf jeden Fall zu bekommen.
Getestet habe ich das ganze über Bluetooth, Aux und USB Audio. S/PDIF nutze ich aktuell nicht, und um die USB-Speicher-Funktion mache ich einen großen Bogen, da man dafür die Fernbedienung braucht, aber auf dem Display nicht wirklich erkennen kann, wo man auf dem externen Speicher herumnavigiert.
Positiv aufgefallen ist mir, dass der Amp ohne Eingangssignal absolut still ist. Einzig beim Aux-Eingang vernehme ich ein sehr leises Rauschen, wenn ich das Poti voll aufdrehe und meine Ohren auf 10cm Distanz an die Box halte. Das Gerät spart sich auch jegliches Gebimmel beim Einschalten oder Umschalten der Quelle, für das viele andere China-Amps bekannt sind. Einschaltplopp ist auch nicht vorhanden, nur beim Ausschalten gibt es ein leises Knacksen. Die einzigen Geräusche, die aus dem Verstärker kommen, sind das Audiosignal. Sonst macht das Gerät keinen Mucks, und das finde ich wirklich super!
USB Audio als Quelle (16bit/48kHz) wird nur angezeigt, wenn auch wirklich eine USB-Verbindung besteht, und bei Auswahl einer anderen Quelle wird die USB-Soundkarte deaktiviert, und bei erneuter Auswahl von USB Audio reaktiviert, so dass unter Windows automatisch umgeschaltet wird. Ich finde das sehr komfortabel, da hat jemand mitgedacht. Auch unter USB Audio gibt es keinerlei Störgeräusche. Meine Denon CEOL Carino am PC geben gelegentlich ein sehr leises, rhythmisches Klackern von sich, das kriegen also auch große Namen nicht unbedingt besser hin.
Das Gerät merkt sich auch nach dem Ausschalten die zuletzt ausgewählte Quelle, und alle Quellen lassen sich unabhängig schalten. Manche andere Geräte erzwingen ja den Aux-Eingang, sobald ein Aux-Kabel eingesteckt wird, das ist hier nicht der Fall.
Ich habe das Gerät bis jetzt nur kurz getestet, kann also keine Aussagen über Langzeitstabilität/Dauerbetrieb, Haltbarkeit oder Wärmentwicklung machen. Aber mein bisheriger Gesamteindruck lässt mich hier auch keine bösen Überraschungen erwarten.
Zusammengefasst muss ich sagen, dass ich wirklich begeistert bin: Die angepriesenen Leistungsdaten sind realistisch, die Verarbeitung hervorragend und die Anschlussvielfalt beeindruckend. Aber auch im Detail (Rauschen, Störgeräusche, Bedienung etc.) kann ich keine Fehler erkennen, was mich angesichts meiner bisherigen Erfahrungen mit China-Amps wirklich überrascht hat. Negativ zu nennen sind eigentlich nur die etwas fummeligen Lautsprecherterminals und das nicht vorhandene AptX zu nennen.
Für 70€ auf Amazon (https://www.amazon.de/gp/product/B08HW8D1VM) ist das Ding ein absoluter Schnapper, und auf AliExpress ist es sogar teurer als bei Amazon.
Ich kann nur sagen: Holt es euch, solange es so günstig ist!
Schönen Abend noch,
Bastian
Edit: Nur um das nochmal klarzustellen: Ich habe das Gerät selbst gekauft und bezahlt, und hatte ansonsten keinerlei weiteren Kontakt zu Hersteller oder Händler.
fosti schrieb:Oder ist das Ego so groß: Ich kann es besser?!
Ich nicht, aber einige Leute auf diyaudio.com schon, zumindest nach deren Messungen; die zusätzliche Kaskode in der VAS bringt wohl richtig was bei THD und PSRR. Und den Ruhestrom der VAS und Pre-Driver zu reduzieren ohne messbaren Nachteil bei deutlich niedrigeren Temperaturen finde ich auch ganz fein.
Nach 25 Jahren dem Gerät mal neue Elkos für wenige Euro zu gönnen, ein Lautstärkepoti mit hörbar üblem Gleichlauf gegen ein gutes Alps zu tauschen und den OPV gegen einen deutlich rauschärmeren zu wechseln bin ich trotzt meines winzig kleinen Egos tatsächlich selbst gekommen.
Weiterhin schlägt in der Architektur wohl Conways Gesetz zu, jede Stufe ist einzeln DC-entkoppelt und EMV-gefiltert was quatsch ist - außer direkt im Eingang kann man einige Koppelkondensatoren und Tiefpässe im Signalpfad rauswerfen, die direkte Anbindung des OPV-Ausgangs an den Differenzverstärker der Endstufe zieht die Offsetspannung auf fast 0mV (vorher 15-25mV).
Ob die Änderung, die Bildung des dominanten Pols in der Schleifenverstärkung vom RC-Glied nach der VAS auf klassische Millerkondersatoren zu verlagern tatsächliche "hörbare Unterschiede" (wie dort beschrieben) macht werde ich sehen, die Bauteilkosten um das mal auszuprobieren belaufen sich auf ein paar Cent...
P.S.:
fosti schrieb:muss man da noch rumbasteln oder haben alle zu viel Zeit?!
Stell dir vor, sowas ist tatsächlich mein Hobby, das macht mir sogar Spaß und ich lerne was dabei, z.B. Schaltungstechnik... :doh:
ich bin gerade über einen Artikel über den neuen Bluetooth Standard LE Audio gestolpert, für den auf der kommenden CES die ersten Geräte vorgestellt werden sollen.
Bluetooth LE Audio verwendet den neuen Codec LC3, der eine bessere Übertragungsqualität als der bisherige bieten soll.
Bluetooth LE Audio ist Multi-Streaming fähig, eine Quelle kann viele Empfänger gleichzeitig versorgen.
Der Zielmarkt für LE Audio scheinen tragbare Empfänger, wie Kopfhörer und Hörgeräte zu sein.
Was LE Audio interessant für die Lautsprecherentwicklung macht, ist die Verbindung zum Empfänger. LE Audio steuert beide Kanäle gleichzeitig mit sehr geringer Latenz an. Die Weiterleitung des Signals von einer Box zur anderen entfällt damit.
Man darf gespannt sein, wann die ersten reinen Sende/Empfangsgeräte mit LE Audio auf den Markt kommen.